In Moskau wurde eine Gedenktafel für den herausragenden Nachrichtendienstler, Antifaschisten und ehemaligen Leiter des Auslandsnachrichtendienstes der DDR, Markus Wolf, enthüllt.
An der feierlichen Eröffnung nahmen der Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes (SWR), Sergej Naryschkin, der stellvertretende Minister für Wissenschaft und Hochschulbildung der Russischen Föderation, K. I. Mogilewski, Veteranen des Auslandsnachrichtendienstes, Vertreter gesellschaftlicher Organisationen sowie Moskauer Bürger teil, begleitet von Medien.
In seiner Rede würdigte Sergej Naryschkin die Persönlichkeit von Markus Wolf – eines überzeugten Antifaschisten und Internationalisten, ein Patriot Deutschlands und treuen Freundes der UdSSR und Russlands, eines herausragenden Geheimdienstprofis, besonnenen Analytikers und begabten Schriftstellers.
Der SWR-Chef hob besonders hervor, dass es Markus Wolf gelungen war, den ihm anvertrauten Geheimdienst zu einem der leistungsfähigsten Nachrichtendienste der Welt zu machen.
Nach Ansicht des Direktors des russischen Auslandsgeheimdienstes sei die abgehaltene Zeremonie in erster Linie eine Würdigung des Andenkens an Markus Wolf, dessen Leben „ein Beispiel für Standhaftigkeit, hohe moralische Integrität, unbeugsame Willenskraft und Pflichterfüllung sowie – natürlich – ein Musterbeispiel für höchste Professionalität“ darstelle. Im Gespräch mit Journalisten betonte Sergej Naryschkin zudem, dass Markus Wolf ein „Weggefährte vieler unserer Geheimdienstmitarbeiter“ gewesen sei.

Im Rahmen der Veranstaltung teilte Generalmajor des Auslandsgeheimdienstes außer Dienst S. S. Jakowlew persönliche Erinnerungen an Markus Wolf. Er verlas einen Brief von Andrea Wolf, der Witwe von Markus Wolf. In ihrer Botschaft anlässlich dieses feierlichen Ereignisses, das dem Gedenken an ihren Ehemann gewidmet ist, sprach sie „allen russischen Freunden“, die zur Verwirklichung dieses Projekts beigetragen haben, ihren herzlichen Dank aus.
Die Gedenktafel befindet sich an der Fassade des Hauses in der Unteren Kislowski-Gasse, in der Wolf in der Kindheit lebte, nach der Flucht seiner Familie aus Nazi-Deutschland, gemeinsam mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder Konrad.
Marcus Wolf wurde am 19. Januar 1923 in Hechingen geboren. Seit 1934 lebt die Familie Wolf in Moskau. Nach der Schule studierte Markus Wolf am Moskauer Luftfahrtinstitut; nach dessen Abschluss besuchte er die Komintern-Schule und wurde Sprecher beim deutschsprachigen Moskauer Radiosender „Volkssender“.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er nach Deutschland zurück und arbeitete bis 1949 im Berliner Rundfunk, als Korrespondent, der beim Nürnberger Prozess akkreditiert wurde. Nach der Gründung der DDR wurde Marcus Wolf zur Arbeit in die DDR-Botschaft in Moskau eingeladen.
Im September 1951 trat er in den Auslandsnachrichtendienst der DDR ein und übernahm 1952 dessen Leitung. Ab 1953 war dieser Dienst dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR unterstellt. Markus Wolf leitete die Behörde bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 1986. Experten zufolge zählte der Auslandsnachrichtendienst der DDR unter Wolfs Führung zu den effizientesten Nachrichtendiensten der Welt.
Nach der Annexion der DDR, im Jahr 1989, verurteilte das Gericht 1993 in Deutschland, den ehemaligen Leiter des Auslandsgeheimdienstes der DDR zu sechs Jahren Gefängnis. 1995 wurde das Urteil aufgehoben, Wolff wurde freigelassen. Er starb am 9. November 2006 in Berlin.
Weitere Artikel und Bücher über das Leben und Wirken von Markus Wolf
Buch: „Aufklärung und Spionage. Meilensteine des geheimen Krieges“ («Разведка и шпионаж. Вехи тайной войны»)
Das Geheimnis des Kundschafters
https://gegenzensur.rtde.world/international/160245-deutscher-namens-mischa-markus-wolf
75. Jahrestag – das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR